לֶךְ־לְךָ
Lech Lecha — Geh für dich — geh hinaus
Die Portion reicht von 1. Mose 12,1 bis zum Ende von Kapitel 17 und handelt von Vater Abraham. Steve Okunola erzählt zu Beginn, dass er die Toraportionen über viele Jahre hinweg immer wieder gelesen und studiert hat, allein und in Gemeinschaft mit anderen, und dass ihm der Text diesmal fast fremd vorkam, weil ihm so viele Aspekte neu aufgefallen sind. Was ihn dabei ergriffen hat, ist die Standhaftigkeit dieses Glaubens und die Frage, wie viel Hoffnung darin liegt, Gott wirklich zu vertrauen, weil er seine Zusagen hält.
Zur Einordnung ein Rückblick auf das Schlüsselwort der bisherigen Portionen. Es lautet , Same, und es steht schon in 1. Mose 3,15, wo vom Samen der Frau und vom Samen der Schlange die Rede ist und davon, dass der Same der Frau der Schlange den Kopf zertreten wird. Beide werden Fleisch und Blut. Abel wird von Kain erschlagen, und in Kain wird der zum ersten Mal greifbar. Die Linie Kains trägt äußerlich durchaus den Schein, mit Gott zu tun zu haben, etwa an den Namen mit der Endung auf el, aber sie ist abgeschnitten. Der Fluch liegt nicht darauf, weil Kain zufällig Kain hieß oder zur falschen Zeit am falschen Ort war, sondern wegen seiner Entscheidungen und seiner Herzenshaltung, und wer in dieser Haltung verharrt, steht typischerweise in derselben Linie. Sie gipfelt im siebten von Adam über Kain, in Lamech, der prahlerisch ist und das Konzept von einem Mann und einer Frau aufgibt, indem er sich zwei Frauen nimmt. Der siebte von Adam über Set dagegen ist Henoch, von dem geschrieben steht, dass er mit Gott wandelte und nicht mehr war. Ab da beschäftigt sich die Schrift nicht weiter mit Kains Linie, denn der verheißene Erlöser wird dort nicht gefunden.
Weiter geht es über Noah, den zehnten von Adam. Man könnte meinen, mit der Sintflut sei der Same der Schlange ausgelöscht, denn nur Noahs Haus blieb übrig. Aber der Same der Schlange ist etwas Geistiges: Jeder Mensch, der rebelliert, der die Wege Gottes nicht geht und einen anderen Geist in sich trägt, steht typischerweise in dieser Linie. Entsprechend zeigen sich schon bei den Söhnen Hams dieselben Züge. Aus Kusch kommt Nimrod, der sein Reich Babel gründet, und Babel wird zum Sitz einer fast vererbten Feindschaft gegen das Volk Gottes. Mizrajim ist Ägypten, und die Kanaaniter sind jenes Volk, das wegen seiner Bosheit ausgelöscht werden soll und kurioserweise ausgerechnet in dem Land wohnt, das Israel später einnehmen wird. Der Blick der Schrift richtet sich dagegen auf die Linie Schems, über Arpachschad, und dort steht Abram.
Der Aufruf lautet: Geh aus deinem Land und aus deiner Verwandtschaft und aus deines Vaters Haus in das Land, das ich dir zeigen werde (1. Mose 12,1). Abram war zu diesem Zeitpunkt fünfundsiebzig Jahre alt, und die Herausforderung war nicht gering, denn die Wege waren gefährlich und die Könige ringsum kannten Gott nicht. Damit Gott etwas Neues anfangen kann, muss eine Trennung vom Alten geschehen: Abram musste Land, Verwandtschaft und Vaterhaus verlassen. Dasselbe Prinzip war schon in der Schöpfung zu sehen, wo Gott trennt, um Neues hervorzubringen. Dabei ist wichtig festzuhalten, dass Abram keine fromme Vorgeschichte mitbrachte: In seiner Familie gab es Götzendienst, es war nicht so, dass dort alle gottesfürchtig gewesen wären. Gott separiert einfach heraus und fängt neu an.
Die Verheißung ist mehrlagig: Ich will dich zu einer großen Nation machen und dich segnen und deinen Namen groß machen; und du sollst ein Segen sein (1. Mose 12,2). Dazu kommt das Land, und zwar ausdrücklich für seine Nachkommen: Deinem Samen will ich dieses Land geben (1. Mose 12,7). Abram selbst wird dieses Land nie wirklich besitzen; das einzige Stück Boden, von dem wir lesen, ist die , die er später als Grabstätte für Sara kauft. Abraham hat das verheißene Land zeitlebens nie besessen und hat trotzdem geglaubt; sein Glaube reichte über sein eigenes Leben hinaus. Er hat also an eine Zukunft geglaubt, die er selbst nicht mehr erleben würde, und damit im Grunde an die Auferstehung. Paulus zieht daraus im Galaterbrief die Linie zu allen Gläubigen: Wer aus Glauben ist, wird mit dem gläubigen Abraham gesegnet, und wer dem Messias gehört, ist Abrahams Same und Erbe nach der Verheißung.
Ein Detail, das im Deutschen verlorengeht, steht in Vers 3: Und ich will segnen, die dich segnen, und wer dir flucht, den werde ich verfluchen (1. Mose 12,3). Im Hebräischen stehen dort zwei verschiedene Wörter. Wer Abram flucht, tut das mit , sich leicht machen über jemanden, ihn schmähen, ihn geringschätzen, ihn für nichts nütze erklären. Gottes Antwort darauf ist , der schwere Fluch, den er über die Schlange, über Kain und über den Erdboden gesprochen hat. Wer das Haus Abrahams geringschätzt, zieht sich den schweren Fluch zu; die Segnenden stehen dabei in der Mehrzahl, der Schmähende im Singular. Steve Okunola sieht in dieser Zahlform Gottes Gnade durchscheinen: Der Text rechnet nicht damit, dass viele sich gegen dieses Haus stellen, sondern eher hier und da einer. Er fügt allerdings selbst hinzu, dass die Realität heute wahrscheinlich anders aussieht, als uns lieb ist.
Abrams Weg beginnt in , Ur der Chaldäer, also in dem Gebiet, in dem Nimrod sein Reich gegründet hatte. Von dort zieht er hinauf nach Haran, das nach seinem gestorbenen Bruder Haran benannt ist, dem Vater Lots, und weiter nach Kanaan. Dass am Anfang dieses Weges steht, ist für Steve Okunola kein Zufall. Er weist auf eine Beobachtung im Hebräischen hin, die er ausdrücklich als seine Deutung kennzeichnet: Die drei Buchstaben von Ur ergeben genau dieselbe Schreibweise wie das Wort für Licht, nur die Vokalisierung unterscheidet sich, und im Urtext gab es keine Vokalzeichen. Er liest darin ein falsches Licht aus Babylon, das aussieht, als wäre es das Licht, und es doch nicht ist. In der Offenbarung ergeht an das Volk Gottes der Ruf, aus Babylon herauszugehen, und dort ist Babylon längst kein Ort mehr, sondern ein geistliches Konzept: die Welt, die falschen Wege, das Leben nach dem Fleisch, das für das Volk Gottes immer wieder sehr verführerisch ist.
Der Text hält fest, dass Abram nicht allein auszog, sondern mit Lot, mit seiner Habe und mit den Menschen, die sie in Haran erworben hatten (1. Mose 12,5). Im Hebräischen steht dort wörtlich, dass sie die Seelen gemacht hatten. Die sind für Steve Okunola Menschen, die sich dem Haus Abrahams angeschlossen hatten, und darin liegt ein Bild: Seelen ziehen mit dem Haus Abrahams aus Babylon heraus in das Gebiet, das später Israel sein wird. Auffällig ist auch die Richtung. Adam und Eva wurden nach Osten aus dem Garten getrieben, Kain zog nach Osten, die Turmbauer zogen nach Osten, und auch Lot wird später ostwärts ziehen. Der Eingang der Stiftshütte liegt im Osten, sodass man dem Allmächtigen entgegen nach Westen geht. Abram zieht in dieselbe Richtung, dem verheißenen Land entgegen.
Im Land macht er zuerst bei halt, bei der Terebinthe . Dieses Wort kommt von der Wurzel jara, lehren, und aus derselben Wurzel stammt das Wort Tora. Sichem ist der Eingang ins Land und liegt zwischen den Bergen Garizim und Ebal, zwischen denen man hindurchgeht, wenn man nach Jerusalem will; im fünften Buch Mose wird davon noch die Rede sein. Es ist zugleich einer der wenigen Orte, von denen die Schrift ausdrücklich einen Kauf berichtet: Jakob erwirbt später Sichem, Abraham kauft die Höhle Machpela, und David kauft den Dreschplatz, auf dem der Tempel entstehen wird. Hier baut Abram seinen ersten Altar. Das Prinzip dahinter ist wichtig: Auf dem Altar werden Tiere verzehrt und der Rauch steigt auf, aber was in Wahrheit hinaufsteigt, ist die Gesinnung dessen, der opfert. Das Herz hinter dem Opfer ist das, was zu Gott hochgeht, und das ist die Form der Anbetung, die Gott meint.
Dann kommt die Hungersnot, und Abram zog hinab nach Ägypten (1. Mose 12,10). Das Wort ist , hinabsteigen, und Steve Okunola liest darin mehr als eine Himmelsrichtung. Hungersnot ist in der Bibel auch ein Bild; bei Amos ist von einem Hunger nach den Worten Gottes die Rede, von einer Zeit, in der die Wege Gottes nicht offenbar sind. In diese Lage hinein sucht Abram Hilfe ausgerechnet in Ägypten, dem Reich, das später für die Unterdrückung des Volkes Gottes stehen wird. Sara war zu diesem Zeitpunkt fünfundsechzig. Abrams Befürchtung, ein heidnischer König könnte die schöne Frau nehmen und den Mann töten, war historisch nicht unbegründet, aber er hätte Gott vertrauen und ehrlich bleiben sollen. Dass Sara tatsächlich seine Halbschwester war, macht die Sache nicht besser, denn sie stand in der Funktion seiner Frau, und der Geist hinter dem Plan war Unglaube; genau das macht hier die Sünde aus. Damit setzte er nicht nur seine Frau, sondern den Samen selbst aufs Spiel, denn die Vermischung der Linien wäre katastrophal gewesen. Es geschah, was er fürchtete: Sara wurde vor dem Pharao gerühmt und in sein Haus geholt, und Abram bekam Kleinvieh, Rinder, Esel, Knechte, Mägde und Kamele. Not und Prüfung ziehen den Gläubigen hinab nach Ägypten, aber Gott steht dem Haus Abrahams auch dort bei und führt es wieder hinauf. Gott schlug den Pharao und sein Haus mit großen Plagen um Saras willen, und Abram musste sich die Zurechtweisung eines heidnischen Königs gefallen lassen, weil er aus Unglauben gehandelt hatte.
Was hier geschieht, ist zugleich eine Vorschau: Der Same Abrahams wird später in Ägypten sein, wird bedrückt, Gott wird das Land mit Plagen schlagen, und das Volk wird mit großer Habe herausziehen. Abram zieht herauf, und das Wort dafür ist , dieselbe Wurzel, die auch hinter dem Brandopfer steht, das zu Gott hinaufgeht. Er kehrt zurück an die Stätte des Altars zwischen Bethel und Ai und ruft dort wieder den Namen Gottes an. Nach der Prüfung geht es also zurück an den Punkt der Anbetung, weg davon, Schutz in Ägypten und bei einem Pharao zu suchen, der sinnbildlich für den Feind steht. Gott hätte ihn auch ohne Halbwahrheit bewahren können, so wie er am Ende ohnehin übernatürlich eingreifen musste.
In Kapitel 13 kommt es zum Streit zwischen den Hirten Abrams und Lots, während Kanaaniter und Perisiter noch im Land wohnen. Abram sagt: Lass doch kein Gezänk sein zwischen mir und dir, denn wir sind Brüder (1. Mose 13,8). Im Hebräischen steht dort eine Höflichkeitsform, ein kleines Wort für bitte, das in unseren Übersetzungen verschwindet, und Abram gebraucht es gegenüber seinem Neffen. Er überlässt ihm die Wahl und beweist damit erneut Vertrauen: Ihm ist das Erbe zugesagt, es muss keinen Streit geben. Lot hebt seine Augen auf und sieht die Jordanebene, wie der Garten JHWHs, wie das Land Ägypten (1. Mose 13,10). Der Anblick trügt, denn er wählt den Bereich von Sodom und Gomorra, und unmittelbar danach hält der Text fest, dass die Leute von Sodom böse und große Sünder waren. Lot zieht ostwärts, und diese Richtungsangabe ist nach dem bisher Gesagten kein Zufall. Prophetisch sieht Steve Okunola darin die, die zwar zum Haus Abrahams gehören und von ihm gelernt haben, aber auf das Irdische blicken, auf das, was jetzt gut aussieht und Ertrag bringen könnte. Lot sitzt am Ende mitten im moralischen Verfall und ist dort ohne Wirkung, weil er sich vom Haus Abrahams getrennt hat.
Kaum ist die Trennung vollzogen, spricht Gott zu Abram: Hebe doch deine Augen auf und schaue von dem Orte, wo du bist (1. Mose 13,14). Auch hier steht die Höflichkeitsform, hebe doch bitte, und Steve Okunola hält das für ein Beispiel: Wenn schon der Allmächtige so mit einem Menschen spricht, dann sollten auch wir so mit Menschen reden, die vielleicht nicht im Glauben sind oder von denen wir meinen, sie hätten es nicht verdient. Dann folgt die Zusage: Und ich will deinen Samen machen wie den Staub der Erde (1. Mose 13,16). Hier zeigt sich die Doppelheit des Wortes Same: einmal der eine, der eines Tages kommen wird, und einmal die vielen Nachkommen. Die zugesagten Grenzen des Landes sind dabei deutlich größer als alles, was Israel je unter Josua in Besitz genommen hat. Steve Okunola hält es für nebensächlich, wo genau die Linien verlaufen; entscheidend ist für ihn die prophetische Aussage, dass die Kinder Abrahams, also alle, die einen ähnlichen Glauben leben, eines Tages alles in Besitz nehmen werden, und dass dies zukünftig ist und nicht jetzt. Abram durchzieht das Land, lässt sich bei den Terebinthen von in Hebron nieder und baut auch dort einen Altar.
Kapitel 14 berichtet vom ersten weltweiten Krieg der Bibel. Vier Könige unter der Führung von ziehen gegen fünf Könige, die zwölf Jahre Tribut gezahlt hatten, im dreizehnten abfielen und im vierzehnten geschlagen wurden. Kedor-Laomer war König von Elam, einem Gebiet östlich von Babylonien im Bereich des späteren Persien; Steve Okunola ordnet ihn dem babylonischen Machtbereich zu und sieht darin dieselbe Linie, die von Nimrod an gegen das Volk Gottes steht. Der Krieg tobt in der Gegend, in der später Jerusalem und das Tote Meer liegen, und Lot, der seine Zelte bis Sodom hin aufgeschlagen hatte, wird gefangen weggeführt. Genau an dieser Stelle nennt der Text Abrams Identität ausdrücklich: Und es kam ein Entronnener und berichtete es Abram, dem Hebräer (1. Mose 14,13). kommt von avar, hinübergehen. Er wohnt mitten unter diesen Königen, gehört aber nicht dazu, weil er das Alte verlassen und hinübergesetzt hat. Bei ihm sind die , die Bundesgenossen um Mamre, Völker also, die in der damaligen Zeit einen Bund mit dem Haus Abrahams geschlossen hatten und mit in denselben Krieg ziehen.
Abram lässt seine dreihundertachtzehn geübten Hausgeborenen ausrücken. Das hebräische Wort dafür hat die Wurzel leer, ausleeren, und Steve Okunola arbeitet damit in zwei Richtungen. Zunächst sieht er darin ein Bild dafür, dass die zum Haus Abrahams Gehörenden sich selbst aufgeben und ausleeren müssen, bevor sie in den Krieg ziehen; es hätte andere Wörter gegeben, aber die Schrift wählt dieses. Später präzisiert er selbst, dass der Kontext eher lautet: Abram leerte sein Haus, er stellte alle kriegstauglichen Knechte zur Verfügung. Beides zusammen ergibt für ihn dieselbe Aufforderung an heute: Wer im Glauben steht und irgendetwas im geistlichen Kampf tun kann, ist aufgerufen, sich zur Verfügung zu stellen, und das geht nur, wenn jeder Einzelne sich selbst aufgibt. Sie greifen nachts an, schlagen die Könige und bringen Lot und die Beute zurück.
Auf dem Rückweg kommen Abram zwei Gestalten entgegen. Die eine ist : Und Melchisedek, König von Salem, brachte Brot und Wein heraus; und er war Priester Gottes, des Höchsten (1. Mose 14,18). Sein Name bedeutet mein König ist gerecht, und hängt mit Schalom zusammen, wie auch Jerusalem, dessen Name als Gründung oder Besitz des Friedens verstanden wird. Dass ausgerechnet in diesem Krieg und in dieser Gegend ein König und Priester auftritt, hat für Steve Okunola einen prophetischen Unterton. Der Hebräerbrief hält fest, dass sich seine Abstammung nicht ableiten lässt, dass er ohne Vater und Mutter dasteht, und macht ihn damit zum Hinweis auf den König-Priester, auf den gewartet wird. Es gibt die Spekulation, es habe sich um Schem gehandelt, der dort als Hoherpriester diente; Steve Okunola sagt ausdrücklich, dass er das aus dem Text nicht belegen kann, hält aber fest, dass Abram diesen Priester kannte und anerkannte. Brot und Wein sind bereits ein Bild auf das Pessach und darauf, Anteil an seinem Leben und seinem Tod zu haben und mit ihm auferstanden zu sein; hier werden sie denen gebracht, die sich zuvor ausgeleert hatten und siegreich aus dem Krieg zurückkommen. Genauso wird der wahre König-Priester nach dem großen Krieg der Endzeit seine Braut zu sich nehmen.
Die andere Gestalt ist der König von Sodom, und sein Angebot ist das genaue Gegenstück: Behalte die Habe, gib mir die Seelen. Abram lehnt ab und schwört, nicht einen Faden noch einen Schuhriemen (1. Mose 14,23) zu nehmen, damit dieser König nicht sagen kann, er habe Abram reich gemacht. Sinnbildlich steht der König von Sodom für den Feind, der die Seelen der Menschen haben will und dafür das Irdische anbietet. Das Haus Abrahams macht in dieser Hinsicht mit Sodom keine gemeinsame Sache und lässt sich nichts schulden.
In Kapitel 15 erscheint Gott in einer Vision: Fürchte dich nicht, Abram; ich bin dir ein Schild, dein sehr großer Lohn (1. Mose 15,1). Gott hat inzwischen dreifach bewiesen, dass er zu Abram steht: in Ägypten, bei der Trennung von Lot und im Krieg. Nur die entscheidende Frage ist offen, und Abram spricht sie an: Er geht kinderlos dahin, und der Erbe seines Hauses wäre . Was nützt eine Verheißung, die zukünftig ist, wenn der Same fehlt? Die Antwort ist eindeutig: Nicht dieser wird erben, sondern einer, der aus seinem eigenen Leib hervorgeht. Blicke doch gen Himmel und zähle die Sterne, wenn du sie zählen kannst — so wird dein Same sein (1. Mose 15,5). Und dann folgt der Satz, an dem alles hängt: Und er glaubte JHWH; und er rechnete es ihm zur Gerechtigkeit (1. Mose 15,6). Das Wort für glaubte ist , eine Veranlassungsform der Wurzel aman, die etabliert, verbürgt, fest bedeutet und aus der auch das Amen kommt, das wir am Ende eines Gebetes sprechen. Wörtlich veranlasste Abram ein Amen. Dasselbe steckt im Wort , Glaube: Mein Glaube bezeugt, dass ich fest verankert bin in dem, worauf ich mich beziehe. Glaube heißt im Hebräischen nicht, innerlich zuzustimmen, sondern ein Amen zu veranlassen: praktisch zu handeln auf das hin, was Gott gesagt hat. Steve Okunola stellt sich damit ausdrücklich gegen ein Verständnis, das heute oft gepredigt wird, wonach Glaube bedeutet, innerlich an einer Verheißung festzuhalten. Der Hebräerbrief sagt, dass es ohne Glauben unmöglich ist, Gott zu gefallen, und Abram beweist ihn sofort praktisch, indem er tut, was verlangt wird.
Auf die Frage, woran er erkennen soll, dass er das Land besitzen wird, lässt Gott ihn eine dreijährige Färse, eine dreijährige Ziege, einen dreijährigen Widder, eine Turteltaube und eine junge Taube holen. Es sind genau die Tiere, die später im Opferdienst gebraucht werden. Abram zerteilt sie und legt die Hälften einander gegenüber, das Geflügel zerteilt er nicht. Historisch scheint dieser Ritus im Zweistromland bekannt gewesen zu sein: Beide Bundespartner gehen zwischen den Stücken hindurch und sagen damit, wer den Bund bricht, dem geschehe wie diesen Tieren. Bei Jeremia wird genau dieser Brauch erwähnt, dort im Vorwurf an Menschen, die ein Kalb entzweischnitten, hindurchgingen und den Bund dennoch nicht hielten. Gott knüpft also an das an, was Abram aus seiner Herkunft verstand. Als die Raubvögel auf die Stücke herabstürzen und Abram sie verscheucht, sieht Steve Okunola die Mächte der Finsternis, die diesen Bund und diesen Samen verhindern wollen, so wie der Drache in der Offenbarung vor der Frau steht, um das Kind zu verschlingen, und wie Herodes es später ausführt. Dann fällt ein tiefer Schlaf auf Abram, , dasselbe Wort wie beim Tiefschlaf Adams, aus dem die Frau hervorging. Dazu kommen Schrecken und dichte Finsternis. Für Steve Okunola ist das Muster dasselbe wie am Anfang der Schöpfung und wie bei der Sintflut: Aus Chaos und Dunkelheit heraus schafft Gott das Neue, und der wahre Same übersteht die Läuterung. Auch die Propheten sprechen von einer dunklen Zeit für Jakob, aus der er gerettet wird. In dieser Finsternis ergeht die Ankündigung: Gewisslich sollst du wissen, dass dein Same ein Fremdling sein wird in einem Lande, das nicht das ihre ist (1. Mose 15,13), vierhundert Jahre Bedrückung, Gericht über jene Nation, Auszug mit großer Habe, und die Rückkehr erst im vierten Geschlecht, denn die Ungerechtigkeit der Amoriter ist bis hierher noch nicht voll (1. Mose 15,16). Die Zeit für das Gericht an den Nationen ist also noch nicht reif.
Dann geschieht das Entscheidende: siehe, da war ein rauchender Ofen und eine Feuerflamme, die zwischen jenen Stücken hindurchfuhr (1. Mose 15,17). Der und die Flamme sind dasselbe Bild, mit dem Gott später vor Israel herzieht, eine Leuchte für sein Volk und ein verzehrendes Feuer für seine Feinde. Beim Bundesschluss geht allein Gott zwischen den Stücken hindurch; die ganze Last des Bundes liegt auf seinen Schultern, Abram schaut zu. Abram ist kein ebenbürtiger Bundespartner, die Verheißungen kommen ganz von Gott, und dennoch wählt Gott diese Form, damit für Abram feststeht, dass die Sache gilt. Bemerkenswert ist auch, dass das Feuer hindurchgeht, ohne die Tiere zu verzehren. Es ist dasselbe Bild wie beim brennenden Dornbusch: Israel ist aus sich heraus nichts, es brennt und wird doch nicht verzehrt, weil Gott in seiner Mitte ist.
Kapitel 16 zeigt die Kehrseite. Sara kann nicht gebären und gibt Abram ihre ägyptische Magd Hagar, was im Orient ein üblicher Brauch war und später auch im Haus Jakobs wieder vorkommt. Es geschah aber nicht aus Vertrauen und lag nicht auf der Linie dessen, was Gott zugesagt hatte, denn spätestens seit der Episode in Ägypten hätte klar sein müssen, dass die Linie über Sara läuft. Der Text sagt, dass Abram auf die Stimme Saras hörte, mit derselben Wendung, mit der Adam auf die Stimme Evas hörte in einer Sache, die eigentlich klar war. Fleischliche Wege bringen die Verheißung nicht: Ismael wird geboren, aber er ist nicht der Same, um den es geht. Und es kommt sofort Kummer dazu: Als Hagar schwanger ist, da wurde ihre Herrin gering in ihren Augen (1. Mose 16,4). Es ist genau dieselbe Wurzel kalal wie in der Verheißung von Kapitel 12, die Gefahr also, das Haus Abrahams zu schmähen. Verflucht wird Hagar deswegen nicht; ihr wird die Umkehr angeboten. Der Engel JHWHs findet sie auf der Flucht Richtung Ägypten und sagt: Kehre zu deiner Herrin zurück und demütige dich unter ihre Hände (1. Mose 16,9). Er spricht dabei in der ersten Person und mit voller Autorität, wenn er ihren Samen sehr mehren will. Hagar nennt Gott daraufhin , den Gott, der sie sieht, und über , dessen Name Gott hört bedeutet, ergeht die Ankündigung: Er wird ein Wildesel von Mensch sein; seine Hand wider alle und die Hand aller wider ihn (1. Mose 16,12). Steve Okunola sieht diese Beschreibung in der Lebensweise der aus Ismael hervorgegangenen Völker bestätigt, die abseits der Städte lebten, sich nicht wirklich unterordneten und auch untereinander in Fehde standen. Paulus gebraucht Hagar später als Bild der Knechtschaft: der eine Sohn aus der Magd, nach dem Fleisch, der andere aus der Freien, nach der Verheißung. Wichtig ist Steve Okunola dabei die Klarstellung, dass auf keinem Menschen ein Fluch liegt, nur weil er aus einer bestimmten Linie kommt. Wer sich demütigt, zum Haus Abrahams kommt und sich dort einordnet, darf die Verheißung für sich in Anspruch nehmen und ist willkommen. Die Tendenz ist allerdings groß, dass ein Volk so lebt, wie es immer gelebt hat.
In Kapitel 17 kommt der Höhepunkt. Abram ist neunundneunzig, Sara neunundachtzig; menschlich gesehen ist keine Hoffnung mehr auf Nachkommen, das Fleisch ist am Ende, und was jetzt kommt, kommt allein aus Gott, aus dem Toten kommt Leben. Gott erscheint als und sagt: Ich bin Gott, der Allmächtige; wandle vor meinem Angesicht und sei vollkommen (1. Mose 17,1). Damit ist die Bundesebene benannt, die von diesem Haus gefordert wird: aufrichtig vor Gott zu wandeln. Dann werden die Namen geändert. Abram, der erhöhte Vater, wird zu Abraham, dem Vater einer Menge, und Sarai wird zu Sara, was Fürstin oder Herrscherin bedeutet, aus derselben Wurzel wie der Name Israel, mit Gott herrschen. Beide bekommen dabei denselben Buchstaben in ihren Namen gesetzt, den . Steve Okunola sagt ausdrücklich, dass er nicht zu viel in den Text hineindeuten möchte, gibt aber weiter, was ihn seit Jahren nicht loslässt: Der Buchstabe wird mit Atem und Hauch in Verbindung gebracht, und das könnte ein Hinweis darauf sein, dass der Geist Gottes hier hinzukommt, eine Verwandlung vom Fleischlichen zum Geistlichen, was genau zu einem Bund passt, in dem das Fleisch abgetan wird. Von der Deutung einzelner Buchstaben über Bildzeichen hält er dabei wenig; er glaubt nicht, dass die Buchstaben früher grundsätzlich anders aussahen. Historisch ist die ältere Schriftform allerdings gut belegt, während umstritten ist, ob sich aus solchen Bildzeichen Bedeutungen ableiten lassen.
Das Zeichen des Bundes ist die Beschneidung: Alles Männliche werde bei euch beschnitten ... und das sei das Zeichen des Bundes zwischen mir und euch (1. Mose 17,10-11). Ausdrücklich gilt das für alle im Haus, auch für den Hausgeborenen und den für Geld Erkauften, auch für Fremde, die nicht von Abrahams Samen sind. Genau darin liegt für Steve Okunola das größere Bild: Alle, die zum Messias gehören, gehören zu Abraham, werden in das Bundesvolk eingepfropft, und alles, was Israel zugesagt wurde, findet sich in diesem Haus. Wer sich weigert, das Zeichen an sich vollziehen zu lassen, wird ausgerottet, denn er hat den Bund gebrochen. Zugleich gilt: Die Beschneidung im Fleisch nützt nichts ohne die Beschneidung des Herzens. Schon das fünfte Buch Mose sagt: So beschneidet die Vorhaut eures Herzens (5. Mose 10,16). Ismael war im Fleisch beschnitten und auch Esau, und beide lebten nicht nach dem Bund und hatten keinen Anteil daran. Deshalb waren viele so empört, als Paulus predigte, dass die Beschneidung im Fleisch keine Bedeutung hat, wenn inwendig nichts geschehen ist; die ist der eigentliche Punkt. Der achte Tag ist übrigens auch medizinisch der geeignete Zeitpunkt, weil an ihm die Gerinnungswerte des Blutes genau richtig stehen, kein Tag davor und kein Tag danach. Und der Orient hatte längst verstanden, dass die sündhafte Natur eng mit den Fortpflanzungsorganen zusammenhängt und dass hier Reinheit hergestellt werden muss. Steve Okunola zieht daraus eine sehr praktische Folgerung: Wenn die Männer eines Hauses wirklich von ihren Gelüsten befreit sind, dann läuft auch das Haus richtig, denn auf dem Mann ruht die Verantwortung für das Haus. Ein Mann, der über seinen Gelüsten steht, ist in der besten Verfassung, seine Frau auf die richtige Art zu führen, weil er wahre Liebe für sie hat und nichts für sich aus der Beziehung sucht. Frauen, die den Herrn lieben, ermutigt er ausdrücklich, gezielt nach im Herzen beschnittenen Männern zu suchen, denn das Beste, was eine Frau bekommen kann, ist eine Anleitung hin auf den Messias.
Abraham fällt auf sein Angesicht und lacht, und Steve Okunola versteht das nicht als Zweifel, sondern als Erstaunen darüber, dass einem Hundertjährigen und einer Neunzigjährigen noch ein Kind geboren werden soll. Seine Bitte, Ismael möge vor Gott leben, liest er nicht als Vorschlag, Ismael zum Bundeserben zu machen, sondern als Frage, wie dieser Sohn zur Verheißung steht. Gottes Antwort ist eindeutig: Sara, dein Weib, wird dir einen Sohn gebären, und du sollst ihm den Namen Isaak geben (1. Mose 17,19). hängt mit dem Wort für lachen zusammen und trägt damit die Begegnung in seinem Namen. Ismael wird gehört, gesegnet, fruchtbar gemacht und zu zwölf Fürsten und einer großen Nation, aber der Bund wird mit Jizchak errichtet, den Sara um diese bestimmte Zeit im folgenden Jahr gebären wird. Und Abraham beschneidet noch am selben Tag sein ganzes Haus, bevor der verheißene Sohn überhaupt geboren ist. Genau das ist wieder das Amen, das er veranlasst: Er tut sofort, was von ihm verlangt wird, im Vertrauen darauf, dass Gottes Bestimmungen wahr sind. Ismael war dabei dreizehn Jahre alt, worauf sich vermutlich der Brauch einiger arabischer Völker zurückführen lässt, die Söhne erst in diesem Alter zu beschneiden.
Damit ist die Bühne bereit. Die Linie ist geklärt und bewahrt, das Haus Abrahams trägt das Zeichen des Bundes, und der Blick richtet sich auf den verheißenen Samen. In der nächsten Portion, Wajera, geht es ab 1. Mose 18 weiter, und ihren Höhepunkt findet Abrahams Glaube schließlich in Kapitel 22, wo er bereit ist, den eigenen Sohn zu opfern. So sehr vertraute er dem, der ihm die Verheißung gegeben hatte.
Kernaussagen
Fragen
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Ebene 1 · Verständnis
Was verlangt der Aufruf in 1. Mose 12,1 von Abram, und wie alt war er zu diesem Zeitpunkt?
Er soll aus seinem Land, aus seiner Verwandtschaft und aus dem Haus seines Vaters ausziehen in ein Land, das Gott ihm erst noch zeigen wird. Abram war fünfundsiebzig Jahre alt, und die Herausforderung war nicht gering: Er kannte das Ziel nicht, die Wege waren gefährlich, und die Könige ringsum kannten Gott nicht.
Warum betont Steve Okunola, dass Abrahams Familie kein frommes Vorzeigehaus war?
Weil die Berufung nicht aus der Herkunft kommt. In Abrams Vorfahren gab es Götzendienst; Gott separiert ihn heraus und macht etwas Neues, so wie schon in der Schöpfung durch Trennung Neues entstand. Damit etwas Neues entstehen kann, muss es sich vom Alten trennen.
Warum ist es bemerkenswert, dass Abraham außer der Höhle Machpela nie Land besessen hat?
Weil das Land, das ihm zugesagt wurde, erst von seinen Nachkommen in Besitz genommen wurde. Abraham hat also an etwas geglaubt, das er selbst nie sah, und damit über sein eigenes Leben hinaus geglaubt; die einzige Ausnahme war die Höhle, die er als Grabstätte für Sara kaufte.
Welche zwei verschiedenen hebräischen Wörter stehen in 1. Mose 12,3 hinter fluchen und verfluchen?
Wer Abram flucht, tut das mit kalal, also mit Schmähen und Geringmachen: Man macht sich leicht über den anderen und sagt, er sei nichts nütze. Gottes Antwort darauf ist arar, der schwere Fluch, wie er auf der Schlange, auf Kain und auf dem Erdboden liegt. Im Deutschen verschwindet dieser Unterschied.
Was fällt Steve Okunola an der Zahlform in 1. Mose 12,3 auf?
Die dich segnen steht in der Mehrzahl, wer dir flucht im Singular. Er sieht darin Gottes Gnade durchscheinen: Der Text geht nicht davon aus, dass viele sich gegen das Haus Abrahams stellen würden, sondern eher hier und da einer. Die heutige Realität sieht nach seiner Einschätzung wahrscheinlich anders aus, als uns lieb ist.
Woher zog Abram aus, und welche Rolle spielt dieser Ort in der weiteren Schrift?
Aus Ur Kasdim, Ur der Chaldäer, im Gebiet, in dem Nimrod sein Reich Babel gegründet hatte. Babylon steht in der Schrift von seiner Gründung an nie in einem positiven Verhältnis zum Volk Gottes, und in der Offenbarung ergeht der Ruf, aus ihm herauszugehen. Abrams Auszug ist damit auch ein geistliches Bild.
Wer sind die Seelen aus Haran, und was sieht Steve Okunola prophetisch darin?
Menschen, die sich in Haran dem Haus Abrahams angeschlossen hatten und mit auszogen. Er sieht darin ein Bild dafür, dass Menschen sich dem Haus Abrahams zuwenden, Haus und Hof und das Bekannte verlassen und mit hinausziehen, um die Verheißung im verheißenen Land zu empfangen.
Was bedeutet der Name More bei Sichem, und was hat er mit der Tora zu tun?
More kommt von der Wurzel jara, lehren, also von dem, was Unterweisung gibt. Aus derselben Wurzel stammt auch das Wort Tora. Es ist bemerkenswert, dass Abram ausgerechnet an diesem Ort im Land haltmacht und dort seinen ersten Altar baut.
Was fällt an den Wörtern auf, mit denen der Text Abrams Weg nach Ägypten und zurück beschreibt?
Er zog hinab nach Ägypten, jarad, und er zog wieder hinauf, ala. Geografisch ließe sich das erklären, aber Steve Okunola ist überzeugt, dass die Schrift damit mehr als eine Himmelsrichtung angibt: Es ist ein geistlicher Abstieg und danach ein Wiederaufstieg. Dieselbe Wurzel ala steht hinter dem Brandopfer, das zu Gott hinaufgeht.
Was war an Abrams Plan in Ägypten das eigentliche Problem, wenn Sara doch wirklich seine Halbschwester war?
Es war eine Halbwahrheit, die aus Unglauben geboren war. Sara stand in der Funktion seiner Frau, und der Geist hinter dem Plan war das Misstrauen gegenüber Gott. Damit setzte Abram nicht nur sie, sondern den ganzen Samen aufs Spiel, denn Sara gehört zur Linie der Verheißung.
Wie verläuft die Trennung zwischen Abram und Lot, und woran zeigt sich Lots Maßstab?
Nach dem Streit zwischen den Hirten bietet Abram Lot höflich die freie Wahl an und überlässt ihm den Vortritt, was sein Vertrauen auf Gott zeigt. Lot hebt seine Augen auf, sieht die gut bewässerte Jordanebene und wählt nach dem Sichtbaren; er zieht ostwärts und schlägt seine Zelte bis nach Sodom hin auf, dessen Leute große Sünder waren.
Was bedeutet die Bezeichnung Hebräer in 1. Mose 14,13?
Iwri kommt von avar, hinübergehen oder überqueren. Mitten in einem Krieg gottloser Könige wird Abrams Identität ausdrücklich genannt: Er wohnt mitten unter ihnen, gehört aber nicht dazu, weil er das Alte hinter sich gelassen und hinübergesetzt hat.
Wer ist Melchisedek, und warum ist sein Auftreten mit Brot und Wein bedeutsam?
Er ist König von Salem und Priester Gottes des Höchsten; sein Name bedeutet mein König ist gerecht. Er bringt Brot und Wein heraus, ein Bild auf das Pessach und darauf, Anteil an Leben und Tod des Messias zu haben. Weil sich seine Abstammung nicht ableiten lässt, ist er ein Hinweis auf den König-Priester, der eines Tages aus Jerusalem regieren wird.
Was heißt es genau, dass Abram in 1. Mose 15,6 glaubte?
Das hebräische he'emin ist eine Veranlassungsform der Wurzel aman, die Festigkeit, Verbürgtheit und Sicherheit bedeutet und aus der auch das Amen kommt. Wörtlich veranlasste Abram ein Amen. Sein Glaube war also nichts bloß Innerliches, sondern zeigte sich praktisch: Er ging den Bund ein und tat, was verlangt war.
Was ist daran besonders, dass in 1. Mose 15 nur der rauchende Ofen zwischen den Stücken hindurchgeht?
Im damaligen Brauch gingen beide Bundespartner zwischen den zerteilten Tieren hindurch und sagten damit: Wer den Bund bricht, dem geschehe wie diesen Tieren. Hier geht Gott allein hindurch, während Abram zuschaut. Die gesamte Verantwortung für den Bund liegt damit auf Gottes Schultern; Abram ist kein ebenbürtiger Partner, sondern Empfänger.
Warum ist Ismael nicht der verheißene Same, obwohl er Abrahams leiblicher Sohn ist?
Weil er auf fleischlichem Weg zustande kam, nicht auf dem Weg, den Gott gemeint hatte. Rein logisch war er Abrams Same, doch Gott bestätigt in Kapitel 17 ausdrücklich, dass er seinen Bund mit Jizchak errichtet, den Sara gebären wird. Ismael wird um Abrahams willen gesegnet und zu einem großen Volk, aber er ist nicht die Linie.
Ebene 2 · Bibelstellen
Lies 1. Mose 12,1-3: Wie viele einzelne Zusagen kannst du zählen, und welche davon reicht über Abram hinaus?
Eine große Nation, Segen, ein großer Name, ein Segen zu sein, Segen über die Segnenden und Fluch über den Schmähenden, und schließlich der Segen für alle Geschlechter der Erde. Die letzte Zusage reicht weit über Abram und seine Nachkommen hinaus auf alle Nationen.
Lies 1. Mose 13,10-13: Womit vergleicht der Text die Jordanebene, und was steht unmittelbar danach über die Leute von Sodom?
Sie war überall bewässert wie der Garten Gottes und wie das Land Ägypten. Direkt danach hält der Text fest, dass die Leute von Sodom böse und große Sünder vor Gott waren. Der Anblick war also trügerisch: Was für das Auge nach Paradies aussah, war der Ort der höchsten Verdorbenheit.
Lies 1. Mose 14,18-24: Was tut Melchisedek, und was lehnt Abram gegenüber dem König von Sodom ab?
Melchisedek bringt Brot und Wein heraus, segnet Abram und wird von ihm mit dem Zehnten bedacht. Der König von Sodom dagegen will die Seelen und bietet Abram die Beute an; Abram schwört, nicht einmal einen Faden oder einen Schuhriemen zu nehmen, damit Sodom nicht sagen kann, es habe ihn reich gemacht.
Lies 1. Mose 15,13-16: Welche Angaben macht Gott über die Zukunft des Samens?
Der Same wird Fremdling sein in einem Land, das nicht ihm gehört, wird dort dienen und bedrückt werden vierhundert Jahre; Gott wird diese Nation richten; danach werden sie mit großer Habe ausziehen; Abram selbst wird in gutem Alter begraben werden, und im vierten Geschlecht kehren sie zurück, weil die Ungerechtigkeit der Amoriter bis dahin noch nicht voll ist.
Lies Jeremia 34,18-19: Welchen Brauch beschreibt der Prophet, und wie hilft das beim Verständnis von 1. Mose 15?
Der Prophet spricht von Menschen, die ein Kalb entzweischnitten und zwischen dessen Stücken hindurchgingen, um einen Bund zu schließen, den sie dann doch brachen. Damit wird deutlich, dass Gott in 1. Mose 15 an einen Brauch anknüpft, den Abram aus seiner Herkunft kannte, und dass das Hindurchgehen die Selbstverpflichtung der Bundespartner bedeutete.
Lies 1. Mose 2,21 und 1. Mose 15,12: Welches Wort verbindet beide Stellen, und was folgt daraus?
In beiden Fällen fällt ein tiefer Schlaf, tardema, auf den Menschen. Aus dem Tiefschlaf Adams ging die Frau hervor; über Abram kommt er zusammen mit Schrecken und dichter Finsternis, während Gott vom Bedrücktwerden des Samens spricht. Steve Okunola sieht darin dasselbe Muster: Durch Dunkelheit und Läuterung hindurch bringt Gott das Neue hervor.
Lies 1. Mose 16,4-9: Welches Wort steht hinter dem Geringwerden der Herrin, und was sagt der Engel zu Hagar?
Es ist dieselbe Wurzel kalal wie in 1. Mose 12,3: Hagar macht ihre Herrin gering, sie schmäht das Haus Abrahams. Der Engel JHWHs findet sie auf der Flucht Richtung Ägypten und schickt sie zurück mit der Anweisung, zu ihrer Herrin zurückzukehren und sich unter ihre Hand zu demütigen.
Lies 1. Mose 17,9-14: Wer alles soll beschnitten werden, und welche Folge hat die Weigerung?
Alles Männliche im Haus Abrahams, ausdrücklich auch der Hausgeborene und der für Geld Erkaufte, also auch Fremde, die nicht von seinem Samen sind, jeweils am achten Tag. Wer das Zeichen des Bundes nicht an sich vollziehen lässt, wird aus seinem Volk ausgerottet, denn er hat den Bund gebrochen.
Lies 5. Mose 10,16 und Galater 3,26-29: Wie verhalten sich Beschneidung im Fleisch und Zugehörigkeit zum Haus Abrahams zueinander?
Schon die Tora fordert, die Vorhaut des Herzens zu beschneiden, also eine innere Haltung und keine bloß äußere Handlung. Paulus zieht daraus die Folgerung, dass alle, die dem Messias gehören, Abrahams Same und Erben nach der Verheißung sind. Ismael und Esau waren im Fleisch beschnitten und dennoch nicht Teilhaber des Bundes.
Ebene 3 · Vertiefung
Wovon müsstest du dich trennen, damit Gott bei dir etwas Neues anfangen kann?
Keine feste Lösung — zur Selbstprüfung: Abram musste Land, Verwandtschaft und Vaterhaus verlassen, also Sicherheit, Prägung und Rückhalt. Frage dich, welches dieser drei bei dir am festesten sitzt und woran du dich klammerst, obwohl du längst weißt, dass es dich hält.
Wo gehst du in der Not hinab nach Ägypten, statt auf Gott zu vertrauen?
Keine feste Lösung — zur Selbstprüfung: Denk an die letzte wirkliche Bedrängnis. Wo hast du dir die Dinge so gedreht, dass sie zu deinen Gunsten ausgingen, und dir gesagt, das werde schon Gottes Wille sein? Abram überlebte durch eigene Weisheit und wurde dabei gedemütigt.
Wo hältst du eine Zusage Gottes für wahr, ohne dass dein Handeln ein Amen darauf setzt?
Keine feste Lösung — zur Selbstprüfung: Schreib eine Sache auf, von der du sagst, dass du daran glaubst, und daneben, was du in den letzten vier Wochen konkret getan hast, das ohne diesen Glauben keinen Sinn ergäbe. Bleibt die zweite Spalte leer, ist die Frage gestellt.
Wo hast du fleischliche Mittel eingesetzt, um etwas Geistliches zu erreichen?
Keine feste Lösung — zur Selbstprüfung: Sarais Vorschlag war zeitüblich, logisch und naheliegend, und Abram willigte ein. Frage dich, wo du gerade eine naheliegende Lösung verfolgst, die zwar funktioniert, aber nicht der Weg ist, den Gott dir klar gezeigt hat, und was sie dich am Ende kosten könnte.
Wie sprichst du mit Menschen, die dir untergeordnet sind oder die du für unwürdig hältst?
Keine feste Lösung — zur Selbstprüfung: Der Allmächtige sagt zu Abram bitte, und Abram sagt es zu Lot. Hör dir selbst einen Tag lang zu, besonders in Anweisungen an Mitarbeiter, Kinder oder Menschen, die dir gerade nichts nützen.
Wo ist bei dir das Zeichen ohne die Sache selbst, also Äußeres ohne Herzensbeschneidung?
Keine feste Lösung — zur Selbstprüfung: Frage nicht zuerst nach Regeln, die du einhältst, sondern nach dem, was du im Verborgenen begehrst und wovon du dich noch nicht hast trennen lassen. Genau dort setzt der Bund an.