נֹחַ
Noach — Ruhe, Trost
Die Toraportion Noach umfasst 1. Mose 6,9 bis 11,32: die Sintflut, den Bund mit Noah, den Weinberg und den Fluch über Kanaan, die Völkertafel und den Turmbau zu Babel — bis zu dem Punkt, an dem uns Abram vorgestellt wird. Steve Okunola stellt der Portion ein Wort Jeschuas voran: Wie es in den Tagen Noahs war, so wird es auch bei der Wiederkunft des Menschensohnes sein; denn wie sie in den Tagen vor der Sintflut aßen und tranken, heirateten und verheirateten, bis zu dem Tag, als Noah in die Arche ging, und nichts merkten, bis die Sintflut kam und sie alle dahinraffte, so wird auch die Wiederkunft des Menschensohnes sein (Matthäus 24,37-39). Eine zweite Wasserflut wird es nicht geben — das sagt Gott in dieser Portion selbst zu. Mit den Tagen Noahs ist darum kein neues Flutgericht gemeint, sondern dass vor der Wiederkunft dieselbe Gesinnung herrschen wird wie damals: eine Gemeinde, die sich mit der Welt vermischt hat. Dazu passt die rhetorische Frage des Messias, ob der Menschensohn, wenn er kommt, den Glauben auf der Erde finden wird (Lukas 18,8): Der Glaube wird dünn gesät sein — brüchige Fundamente, keine richtige Hingabe zu Gott und seinen Wegen, keine Führung durch den Geist, weil die Menschen den Geist Gottes ablehnen. Und das nimmt zu, manchmal geradezu erschreckend, aber es ist vorhergesagt.
Um das zu verstehen, greift Steve Okunola auf die Verheißung der Erlösung aus der vorigen Portion zurück. Der Mensch ist in Adam gefallen, von Gott abgeschnitten, obwohl seine Bestimmung eine freudige Verbindung mit Gott ist. In seiner Gnade gibt Gott die Zusage, dass der eines Tages der Schlange den Kopf zertreten wird: Ich will Feindschaft setzen zwischen dir und der Frau, zwischen deinem Samen und ihrem Samen (1. Mose 3,15). Weil die Sünde durch einen Menschen in die Welt kam, muss sie in Gottes Rechtsordnung auch durch einen Menschen wieder hinweggenommen werden — der Erlöser wird Fleisch und Blut sein und darf selbst nicht an Adams Sünde teilhaben. Darum ist der Erhalt der menschlichen Rasse so wichtig, und zwar nicht nur als nacktes Überleben: Der Mensch muss geistlich für Gott leben, freiwillig, aus tiefster Überzeugung, damit Gott seinen Plan erwirken kann. Auf der Gegenseite steht der — und auch er ist nach Steve Okunola kein Dämonenwesen, sondern Fleisch und Blut: Menschen, in denen die Gesinnung des Feindes lebt.
Nach dem Mord an Abel gibt Gott mit Set einen Ersatz, und die Schrift verfolgt fortan zwei Geschlechterlinien. Die wird abgeschnitten — nicht so, dass diese Menschen nicht weiterlebten, sondern so, dass die Schrift sich nicht mehr mit ihnen beschäftigt, denn aus dieser Linie ist keine Erlösung zu erwarten. Auffällig ist, dass auf beiden Seiten ähnliche Namen stehen: Einen Henoch und einen Lamech gibt es bei Kain wie bei Set, und Namen wie Mehujael und Metusael tragen mit der Endung El sogar Gottes Namen in sich — den Gott, zu dem Kain gar keinen eigenen Zugang mehr hatte. Steve Okunola hält das nicht für Zufall: Die Linie Kains bewahrt die äußere Form der Gottesanbetung — Namen, Formen, Allüren —, während sie innerlich längst von Gott abgeschnitten ist; Äußerlichkeit ist der Kern des Samens der Schlange. Wo innerlich keine Verbindung ist, bleibt nur das Äußere, und im Herzen hasst diese Linie die Aufrichtigen, so wie Kain den Abel tötete. Beide Linien gipfeln in ihrem jeweils Siebten von Adam: Auf Kains Seite prahlt Lamech mit seiner Bosheit und seinem Mord, in der steht Henoch, von dem es heißt, dass er mit Gott wandelte und nicht mehr war, denn Gott nahm ihn hinweg.
Vor diesem Hintergrund liest Steve Okunola den Auftakt der Portion in 1. Mose 6: Die sahen, dass die Töchter der Menschen schön waren, und nahmen sich zu Frauen, welche sie irgend erwählten. Unter Auslegern ist diese Stelle eine echte Streitfrage: Viele verstehen die Söhne Gottes als gefallene Engel, die sich mit Menschenfrauen einließen, woraus die Riesen entstanden seien. Steve Okunola weist diese These entschieden zurück. Derselbe Ausdruck wird in Hosea 2,1 für Israel gebraucht — Söhne des lebendigen Gottes (Hosea 2,1) —, also für Menschen, die Gott in seine Bündnisse gerufen hat. Gemeint ist für ihn die Linie Sets: die Linie, die wie später Israel eine Nation von Priestern, Salz und Licht für die Welt sein sollte. Diese Priesterlinie wurde sinnlich, sah die schönen Frauen der abgeschnittenen Linie und kreuzte sich mit ihr. Wo aber das Salz aufhört zu würzen und das Licht unter den Scheffel gestellt wird, fangen die Problematiken an — und genau diese Vermischung der Gemeinde mit der Welt ist die Gesinnung, die nach Jeschuas Wort vor seiner Wiederkunft wieder herrschen wird.
Dreimal steht dann im hebräischen Text derselbe Befund: Die Erde war verderbt vor Gott und voller Gewalttat, denn alles Fleisch hatte seinen Weg verderbt auf Erden. Das Wort dahinter ist , zerstören — wörtlich hat der Mensch sich selbst zerstört durch die Art, wie er lebte: sinnlich, dem Fleisch und dem Vergnügen ergeben, prahlerisch, gewalttätig, verleumderisch. Steve Okunola fragt pointiert, ob das nicht Dinge sind, die man in der sogenannten Gemeinde Gottes heute wiederfindet, und beobachtet, dass sich kuriose öffentliche Beispiele von Menschen, die beteuern, mit Gott zu wandeln, in einer Dichte häufen, wie er sie vor Jahren so nicht wahrgenommen hat. Das Gericht beginnt nach dem Petrusbrief am Haus Gottes (1. Petrus 4,17). Gott setzt eine Frist: Mein Geist soll nicht ewig mit dem Menschen rechten; seine Tage sollen 120 Jahre betragen (1. Mose 6,3) — die Zeit, in der Gott Gelegenheit zur Buße gibt, ist begrenzt. Dass es Gott reute, den Menschen gemacht zu haben, erklärt Steve Okunola über die Wurzel : Gemeint ist nicht Reue vom Bösen, wie ein Mensch bereut — sein Hebräischlehrer hatte den Vers einmal sogar über den Gedanken des Tröstens erklärt —, sondern dass der Zustand des Menschen Gott schmerzte; und doch bleibt Gott gerecht und bringt das Zorngericht.
Noah aber fand Gnade in den Augen JHWHs. Das hebräische Wort ist , und Steve Okunola gibt als eigene, vorsichtige Beobachtung zu bedenken, dass es dieselben Buchstaben trägt wie die Wurzel des Zeltaufschlagens: Gnade hieße dann ganz konkret, in Gottes Nähe ein Zelt aufschlagen, bei Gott wohnen zu dürfen — konkreter als die abstrakte Rede von Gnade, die man oft in den Gemeinden hört. Noah war ein gerechter, vollkommener Mann unter seinen Zeitgenossen und wandelte mit Gott, im Hebräischen dieselbe Wendung wie bei Henoch. In Noah steht der vor uns: der Gerechte, der es wirklich ernst meint und dem Zorngericht entkommen wird. Und Noah bewies seinen Glauben nicht durch Worte allein. Das Neue Testament nennt ihn einen Prediger der Gerechtigkeit (2. Petrus 2,5), aber eindrucksvoller als jede Predigt war, dass er rund hundert Jahre an einer Arche baute, für die es nach allem Augenschein niemals einen Bedarf geben würde — man wird ihn ausgelacht haben. Ohne Glauben ist es unmöglich, Gott zu gefallen (Hebräer 11,6), und die Taten eines Menschen geben Aufschluss darüber, ob er wirklich glaubt — nicht, dass er Jesus, Jesus sagt oder sich äußerlich fromm gibt.
Die Arche selbst ist kein Schiff. Das hebräische Wort ist , ein Kasten: Sie muss nicht segeln, sondern Noah, seine Familie, die Tiere und den Vorrat beherbergen und darf nicht untergehen — und die überlieferten Maße von 300 Ellen Länge, 50 Ellen Breite und 30 Ellen Höhe (1. Mose 6,15) gelten als nahezu ideal für einen Kasten, der monatelang auf dem Wasser treiben soll, wobei die genaue Länge einer Elle, vom Ellenbogen bis zur Fingerspitze gemessen, schwer exakt festzulegen ist. Das Wort Tewa kommt in der ganzen Schrift nur noch an einer Stelle vor: beim Kästchen, in dem Mose im Schilf vor dem Zorn des Pharaos verborgen wurde. Steve Okunola kennzeichnet ausdrücklich als seine eigene Deutung — einer seiner Lehrer war grundsätzlich dagegen, etwas in den Text hineinzudeuten, und auch er will den Text für sich sprechen lassen —, dass er in Mose ein Bild der Tora sieht, die auf den Messias zeigt: Was Gott gegeben hat, wird in der Tewa durch das Gericht hindurch bewahrt, so wie das Leben in der Arche bewahrt wurde. Die Arche soll von innen und außen mit Pech überzogen werden; das Wort dafür, Kofer, trägt die Wurzel , bedecken — und aus derselben Wurzel kommt Jom Kippur, der Versöhnungstag. Versöhnung heißt im Hebräischen konkret Bedeckung: Dasselbe Wort kaphar steht für das Pech, das die Arche dicht machte, und für den Tag, an dem Gott die Sünden bedeckt und wegnimmt. Wer so geläutert und gereinigt ist, darf nach Psalm 15 zu Gottes heiligem Berg hinauf — ein klares Bild dessen, was Noah in der Gnade geschenkt bekam.
Dann kommen die Zahlen. 40 Tage und 40 Nächte regnete es; 40 steht in der Schrift für die Zeit, die es braucht, bis etwas Neues entsteht: 40 Tage wurde der Messias in der Wüste geprüft, rund 40 Wochen trägt eine Frau ihr Kind. Sieben Tage musste Noah in der Arche warten, bevor der Regen begann, und insgesamt blieb er etwa zwölf Monate darin — Steve Okunola sieht darin, als seine Deutung, einen möglichen Hinweis auf die zwölf Stämme Israels. Auch der Beginn der Flut im zweiten biblischen Monat spricht für ihn von Gottes Langmut: So wie das Passah im zweiten Monat nachgeholt werden konnte, wenn jemand im ersten unrein oder unvorbereitet war, gab Gott den Menschen bis zuletzt die Chance zur Umkehr. Dann aber nahmen die Wasser überhand und wuchsen sehr auf der Erde (1. Mose 7,18); das hebräische Wort klingt nach einem gewaltigen Kampf, in dem die Flut siegt — 15 Ellen standen die Wasser über den höchsten Bergen, 150 Tage hatten sie überhand, und alles starb, in dessen Nase ein Lebenshauch war. Steve Okunola liest das Ganze als Bild der Taufe: Die Erde wird gleichsam untergetaucht, der alte Zustand bleibt im Wassergrab zurück, und eine neue Welt kommt heraus — so wie der fleischliche Mensch in der Taufe untergeht, aus dem Wasser steigt und durch den Geist Gottes zu einer neuen Schöpfung wird. Die Sintflut ist damit ein Bild für die Läuterung der Gemeinde: Das Gericht beginnt am Haus Gottes, die Drangsal fegt hinweg, was nicht zu Gott gehört, und nur der Überrest, der wahrhaftig mit Gott wandelt, kommt hindurch. Nicht jeder, der sich Gemeinde oder Anhänger Jeschuas nennt, kommt heraus — nur Noah blieb übrig und was mit ihm in der Arche war.
Und Gott gedachte des Noah. Das Wort ist — dieselbe Wurzel, mit der später geboten wird, des Schabbats zu gedenken: Gott achtet auf Noah und gedenkt zu tun, was ihn am Leben erhält. Gott ließ einen Wind über die Erde fahren, und die Wasser sanken; heißt Wind und Geist zugleich, und es ist derselbe Begriff wie beim Geist Gottes, der bei der Schöpfung über den Wassern schwebte. Die Sintflutgeschichte ist eine Neuschöpfung: Aus dem Chaos der Wasser kommt wieder eine bewohnbare Welt hervor, und wie Adam die Krönung der ersten Schöpfung war, tritt Noah als der bewahrte Mensch in eine völlig neue Welt hinein — ein Bild auf die Gläubigen, die nach der Drangsal geläutert in Gottes neue Welt eingehen. Noah sandte einen Raben und eine Taube aus, einen unreinen und einen reinen Vogel; ein Kommentar, den Steve Okunola anführt, erklärt das nüchtern aus dem Verhalten der Tiere, denn der Rabe findet auch auf Kadavern Nahrung, während die Taube nur auf trockenem Boden landet. Die Taube kehrt schließlich mit einem abgerissenen Olivenblatt im Schnabel zurück — Olivenöl hielt später den Leuchter der Stiftshütte am Brennen und ist durch die ganze Schrift ein Bild für den Geist Gottes, der den Menschen leitet und zur Vollkommenheit bringt; und bei der Taufe Jeschuas kam der Geist wie eine Taube auf ihn herab.
Nach dem Auszug aus der Arche baute Noah JHWH einen Altar und opferte Brandopfer von allen reinen Tieren — hier erscheint das Wort Altar zum ersten Mal in dieser Form. Das hebräische Wort für das Brandopfer ist und heißt wörtlich das, was aufsteigt. Dass Gott den lieblichen Geruch roch, hat nichts mit Rauch und verbrannten Tieren zu tun, sondern mit der inneren Zuwendung: Ein Mensch kommt aus dem Gericht, verneigt sich, dankt und will zu Gott gehören. Steve Okunola entfaltet dazu einen Gedanken, den er selbst als seine Sicht kennzeichnet: Solange Adam lebte, wusste man, wo Gott sich einst offenbart hatte, und hätte betend in Richtung des Gartens Eden geschaut — vielleicht der Ort, an dem später die Stiftshütte oder der Tempel stand. Zur Zeit Noahs, des Zehnten von Adam, war Adam gestorben und dieser Ort nicht mehr zu finden. Von nun an gilt: Wo du opferst, dort begegnest du Gott. Darin liegt für ihn schon prophetisch, was Jeschua der Samariterin sagt — nicht mehr an diesem oder jenem Berg, sondern die wahren Anbeter werden den Vater in Geist und Wahrheit anbeten (Johannes 4,23). Der Altar steht heute da, wo ein Mensch sich selbst auf ihn legt: Die innere Bereitschaft, alles aufzugeben, was von Gott trennt, um mit Jeschua eins zu werden, ist der liebliche Geruch, den Gott wahrnimmt.
JHWH sprach in seinem Herzen, den Erdboden nicht mehr zu verfluchen um des Menschen willen, denn das Dichten des menschlichen Herzens ist böse von seiner Jugend an (1. Mose 8,21). Steve Okunola macht hier auf einen Wortunterschied aufmerksam: Der starke, verdammende Fluch heißt — er traf die Schlange, Kain und den Erdboden. An dieser Stelle aber steht , ein schwächeres Wort im Sinn von geringachten, leicht machen. Der Hauptfluch über der gefallenen Welt wurde nach der Flut also nicht aufgehoben; Gott sagt nur zu, die Erde nicht mehr mit einem Flutgericht zu behandeln, und bezieht den gefallenen Zustand des Menschen fortan in seine Langmut ein. Solange die Erde steht, sollen Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht nicht aufhören — ein Zeitfenster, in dem der Mensch Buße tun kann. Gott schließt mit Noah und allem Fleisch einen Bund und setzt den Bogen in die Wolken als dessen Zeichen. Die neue Ordnung unterscheidet sich von der Welt Adams: Furcht und Schrecken vor dem Menschen liegen nun auf den Tieren, und Fleisch darf gegessen werden — wobei Noah nach Steve Okunolas Verständnis längst wusste, welche Tiere rein und unrein sind, denn von den reinen hatte er geopfert; er sieht darin einen Hinweis auf Gottes Speisegebote. Das Blut ist ausgenommen, und es gilt: Wer Menschenblut vergießt, durch den Menschen soll sein Blut vergossen werden, denn im Bilde Gottes hat er den Menschen gemacht (1. Mose 9,6). Damit werden Menschen berufen, Gottes Recht auf der Erde aufzurichten und zu vollstrecken — der Beginn menschlicher Obrigkeit und Rechtsordnung, der auch die Regierenden selbst untertan sein sollen.
Dann fing Noah an, ein Ackersmann zu werden, und pflanzte einen Weinberg. Das Wort für anfangen trägt die Wurzel , die zugleich entweihen oder sich verunreinigen bedeuten kann; Steve Okunola hält diese Wortwahl nicht für Zufall, denn das Hebräische hätte andere Wörter für anfangen gehabt — nicht dass Noah sich hier verunreinigt hätte, aber der Text lässt den Nebenklang mitschwingen. Wein ist in der Schrift doppeldeutig: Es gibt den guten Wein wie bei der Hochzeit zu Kana, aber auch das Bild der geistigen Trunkenheit — Babylon macht mit ihrem Kelch die Erde trunken, und die Priester dürfen im Dienst nichts Starkes trinken, damit ihre Unterscheidungskraft nicht verschleiert wird. Noah trank von dem Wein, wurde trunken und entblößte sich in seinem Zelt; wie bei Adam greifen nach dem Genuss einer Frucht die Themen einer neuen Welt und der Nacktheit ineinander, und es zeigt, wie schnell auch der Bewahrte unvorsichtig werden kann — ein ewiger Kreislauf, den wir später bei Israel wiedersehen. Ham, der Vater Kanaans, sah die Blöße seines Vaters und erzählte es draußen seinen beiden Brüdern. Darin offenbart sich sein Geist: Er weidet sich an der Schande, verachtet die Obrigkeit, die ihm sein eigener Vater ist, und will seine Brüder mit hineinziehen. Sem und Jafet legten ein Obergewand auf ihre Schultern, gingen rückwärts hinein und bedeckten ihren Vater, ohne hinzusehen.
Als Noah erwachte und erfuhr, was geschehen war, sprach er: Verflucht sei Kanaan; ein Knecht der Knechte sei er seinen Brüdern (1. Mose 9,25) — und hier steht wieder das starke Wort arar. Warum trifft der Fluch Kanaan und nicht Ham selbst? Steve Okunola antwortet über den Namen: Kanaan bedeutet der Unterworfene, der Untergeordnete — die Nun-Endung macht im Hebräischen aus einer Eigenschaft eine Person, so wie aus dem Wort für Angst der Ängstliche wird. Ham fordert von seinem Vater eine Unterordnung ein, die er selbst nicht leben will; dieser Geist lebt in seinem Sohn fort und wird sich dort noch verstärken. Prophetisch nimmt der Fluch vorweg, was die Schrift später über die Kanaaniter berichtet: Ihr Gebiet erstreckte sich bis Sodom und Gomorra, und ihre Bräuche waren sinnlich, profan, vulgär und pervertiert. An dieser Stelle wird Steve Okunola sehr persönlich und pointiert: Er hat selbst afrikanische Wurzeln — seine Mutter ist deutsch — und in Afrika gelebt, und er bezeugt, dass er die Knechtschaft dieses Fluches bis heute kollektiv wirksam sieht: in einem Stillstand der Entwicklung in Technologie, Medizin und Industrie, der auch nach dem Ende der Kolonialzeit anhält, und in der Geschichte der Sklaverei; einzelne kommen voran und sind Vorbilder, aber kollektiv scheine etwas auf dem Kontinent zu lasten, und er hat mit afrikanischen Freunden offen die Frage besprochen, ob dort ein Fluch herrscht. Zugleich zieht er die Grenze scharf: Niemand ist automatisch verloren, weil er aus einer bestimmten Linie stammt — der Kämmerer aus Äthiopien glaubte an Jeschua und wurde getauft (Apostelgeschichte 8). Menschen werden nicht verflucht um des Fluches willen, sondern ihre Wege führen dahin; die Linie zeigt eine Tendenz, keine Zwangsläufigkeit, und in Jeschua ist der Fluch gebrochen, wo jemand Kanaans Wege verlässt und Gottes Wege geht. Über Sem aber heißt es: Gepriesen sei JHWH, der Gott Sems — aus seiner Linie kommen Abraham, Israel und der verheißene Same. Und Jafet, der Vater der europäischen Völker, soll in den Zelten Sems wohnen: Er erhält Anteil an der Verheißung, die über Sem läuft.
Die Völkertafel in Kapitel 10 zeigt, wie sich aus den drei Söhnen Noahs alle Völker der Erde entfalten — wer die Herkunft der einzelnen Nationen verfolgen will, kann die Reihen dort in Ruhe studieren. Steve Okunola greift eine Gestalt heraus: Aus Kusch, der Linie Hams, kommt Nimrod. Sein Name trägt die Wurzel , rebellieren, und heißt so viel wie: Wir werden rebellieren — vermutlich, so Steve Okunola, kein Geburtsname, sondern ein Name, der sich aus seinem Handeln ergab. Er war ein gewaltiger Jäger vor JHWH — im Angesicht Gottes, in offener Konfrontation mit ihm. Dass die Schrift überhaupt seinen Beruf nennt, ist ungewöhnlich und nach Steve Okunolas Verständnis Absicht: Nimrod jagt Menschen, er nimmt sie durch Gewalt und geistige Gefangenschaft ein; die Menschen folgen ihm, weil das Herz schon bei ihm ist — so wie Israel sich später einen König nach dem Äußeren wählte. Der Anfang seines Reiches war Babel, und von da an bleibt Babylon durch die ganze Schrift das Synonym für ein Reich und eine Geisteshaltung gegen Gottes Volk, bis hin zur Hure Babylon der Offenbarung. Mit Nimrod beginnt auch das Konzept der Großstadt, und Steve Okunola sagt dazu unverblümt: Er will nicht jede einzelne Großstadt pauschal als gegen Gott abstempeln, aber man solle sich die riesigen, brütenden Städte der Erde ansehen und fragen, wofür sie bekannt sind — dafür, in Gottes Wegen zu gehen, oder eher für das Gegenteil.
Damit sind wir beim Turmbau. Die ganze Erde hatte eine Sprache und einerlei Worte. Steve Okunola ist überzeugt, dass diese Ursprache Hebräisch war — schon der Name Kanaan hat ja im Hebräischen eine Bedeutung —, und stützt sich auf das Buch The Origin of Speeches von Isaac Mozeson, der alle Sprachen über ihre Wurzeln auf das Hebräische zurückführt; man sollte wissen, dass diese These in der Sprachwissenschaft so nicht anerkannt ist. Die Menschen zogen nach Osten, und die Richtung ist bezeichnend: Nach Osten ging Kain aus Gottes Angesicht hinweg, und der Eingang der Stiftshütte lag später im Osten — wer zu Gott zurückkehrt, geht von Osten nach Westen, so wie auch die hebräische Schrift von Osten nach Westen läuft. Nun sprachen sie: Bauen wir uns eine Stadt und einen Turm, dessen Spitze an den Himmel reicht, und machen wir uns einen Namen, damit wir nicht über die ganze Erde zerstreut werden. Das Wort für zerstreuen ist — und genau dieses Sich-Ausbreiten war Gottes Auftrag, damit die Erde bevölkert wird, Familien und Völker entstehen und aus ihnen eines Tages die Priesternation Israel hervorgehen kann; geistige Einheit braucht keine räumliche Nähe, aber wo die innere Verbindung abgebrochen ist, muss sie durch Äußerlichkeit ersetzt werden — wieder das Muster der Linie Kains. Nicht der Turm war das Problem von Babel, sondern die Gesinnung: sich selbst einen Namen machen und sich in falscher Einheit Gottes Auftrag verweigern — darum zerstörte Gott nicht den Turm, sondern zerstreute die Menschen durch die Verwirrung der Sprachen. Steve Okunola erinnert an das Argument seines Hebräischlehrers: Wäre das Gebäude das Problem gewesen, hätte Gottes Reaktion sein müssen, den Turm zu zerstören; davon liest man nichts — nur dass die Arbeit liegenblieb, weil niemand den anderen mehr verstand. Und JHWH sprach: Nun wird ihnen nichts verwehrt sein, was sie zu tun ersinnen (1. Mose 11,6). Das Wort dahinter teilt sich die Wurzel mit dem hebräischen Wort für Festung: Die Menschen hätten sich in dieser Gesinnung verschanzt und wären verbohrt — für Buße und Erlösung unerreichbar geworden. Aus der Zerstreuung stammen alle Sprachen der Erde. Dass Hebräisch als einzige Sprache der Geschichte nach ihrem faktischen Aussterben wieder zur gesprochenen Sprache einer ganzen Nation wurde — angestoßen durch Ben Jehuda, der die Wörter aus der Tora für die Gegenwart erschloss —, sieht Steve Okunola als Sinnbild dafür, dass wir in einer Zeit der Wiederherstellung leben, so wie auch Israel wieder im Land ist; doch bis zum Ende muss noch vieles geschehen.
Am Ende der Portion führt die Linie Sems über Eber weiter. Von seinem Namen leitet sich die Bezeichnung der Hebräer ab: Die Wurzel heißt überqueren, hinübergehen — ein Hebräer ist einer, der hinübergegangen ist, der einen Fluss überquert und das Ufer gewechselt hat. Genau als solcher wird nun Abram vorgestellt, der mit seinem Vater Terach aus Ur in Chaldäa auszieht. Nach dem Scheitern der falschen Einheit von Babel setzt Gott seinen Erlösungsplan mit einem Einzelnen fort, aus dem eine Nation von Priestern werden soll. Damit ist der Boden bereitet für die nächste Portion, Lech Lecha, in der Gott Abram ruft, aus seinem Land, seiner Verwandtschaft und seinem Vaterhaus hinauszugehen.
Kernaussagen
Fragen
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Ebene 1 · Verständnis
Warum kann mit „wie in den Tagen Noahs" keine neue Sintflut gemeint sein?
Gott hat nach der Flut versprochen, die Erde nicht mehr durch Wasser zu vernichten; gemeint ist, dass vor der Wiederkunft dieselbe Gesinnung herrschen wird wie damals.
Warum muss der verheißene Erlöser Fleisch und Blut sein?
Weil die Sünde durch einen Menschen in die Welt kam, muss sie in Gottes Rechtsordnung auch durch einen Menschen wieder hinweggenommen werden.
Was bedeutet es, dass die Linie Kains „abgeschnitten" wurde?
Nicht, dass diese Menschen sofort ausstarben, sondern dass die Schrift sich nicht mehr mit ihnen beschäftigt, weil aus dieser Linie keine Erlösung zu erwarten ist.
Was fällt an den Namen in der Linie Kains auf?
Es gibt ähnliche Namen wie in der Linie Sets (etwa Henoch und Lamech), und Namen wie Mehujael und Metusael tragen mit der Endung El sogar Gottes Namen — äußere Form der Anbetung trotz innerer Abgeschnittenheit.
Worin gipfeln die beiden Linien in ihrem jeweils Siebten von Adam?
In der Linie Kains prahlt Lamech mit seiner Bosheit und seinem Mord; in der Linie Sets wandelt Henoch mit Gott und wird von Gott hinweggenommen.
Wer sind die „Söhne Gottes" nach Steve Okunola, und welche andere Deutung gibt es?
Nach Steve Okunola die Linie Sets, die als Priesterlinie Gott gehörte (vergleiche Hosea 2,1); viele andere Ausleger verstehen darunter gefallene Engel, die sich mit Menschenfrauen einließen.
Was bedeutet schachat, und was sagt das Wort über die Menschen vor der Flut?
Es heißt zerstören oder verderben; die Menschen hatten sich durch ihr sinnliches, gewalttätiges Leben selbst zerstört.
Wie ist Gottes „Reue" (nacham) zu verstehen?
Nicht als Reue vom Bösen wie beim Menschen, sondern als Schmerz Gottes über den Zustand, in den der Mensch sich gebracht hat.
Welche mögliche Verbindung sieht Steve Okunola im Wort chen (Gnade)?
Eine Verbindung zur Wurzel des Zeltaufschlagens: Gnade hieße dann konkret, in Gottes Nähe wohnen zu dürfen — Noah durfte bei Gott wohnen, weil er mit ihm wandelte.
Wodurch bewies Noah seinen Glauben eindrucksvoller als durch jede Predigt?
Er baute rund hundert Jahre an der Arche, obwohl es nach allem Augenschein niemals einen Bedarf für sie geben würde.
Wo kommt das Wort Tewa außer bei der Arche noch vor, und was sieht Steve Okunola darin?
Nur noch beim Kästchen, in dem Mose im Schilf verborgen wurde; als seine eigene Deutung sieht Steve Okunola darin ein Bild: Was Gott gegeben hat, wird durch das Gericht hindurch bewahrt.
Was verbindet das Pech der Arche mit Jom Kippur?
Beide gehen auf die Wurzel kaphar (bedecken) zurück — Versöhnung heißt, dass Gott die Sünden bedeckt und wegnimmt.
Wofür steht die Zahl 40?
Für die Zeit, die es braucht, bis etwas Neues entsteht: 40 Tage Regen, 40 Tage Prüfung des Messias in der Wüste, rund 40 Wochen bis zur Geburt eines Kindes.
Warum ist der „liebliche Geruch" des Opfers nicht der Rauch der verbrannten Tiere?
Gemeint ist die innere Zuwendung des Menschen: Dankbarkeit, Verneigung und die Bereitschaft zur Selbsthingabe an Gott.
Was ist der Unterschied zwischen arar und kalal?
Arar ist der starke, verdammende Fluch (über Schlange, Kain, Erdboden, Kanaan); kalal ist ein schwächeres Wort im Sinn von geringachten — nur diesen Fluch sagt Gott vom Erdboden ab.
Warum trifft der Fluch Kanaan und nicht Ham selbst?
Der Geist Hams lebt in seinem Sohn fort und verstärkt sich dort; schon Kanaans Name (der Unterworfene) und die spätere Bosheit der Kanaaniter zeigen das prophetisch.
Warum war beim Turmbau zu Babel nicht der Turm das Problem?
Sonst hätte Gott den Turm zerstört, wovon nichts berichtet wird; das Problem war die Gesinnung — sich einen Namen machen und die Ausbreitung verweigern —, darum verwirrte Gott die Sprachen.
Ebene 2 · Bibelstellen
Lies Matthäus 24,37-39: Was taten die Menschen in den Tagen vor der Sintflut, und was merkten sie nicht?
Sie aßen und tranken, heirateten und verheirateten — und merkten nichts, bis die Sintflut kam und sie alle dahinraffte.
Lies 1. Mose 6,3: Welche Frist setzt Gott dem Menschen?
120 Jahre — sein Geist soll nicht ewig mit dem Menschen rechten; die Zeit der Buße ist begrenzt.
Lies 1. Mose 6,15-16: Welche Maße und welchen Aufbau hatte die Arche?
300 Ellen lang, 50 Ellen breit, 30 Ellen hoch, mit einer Lichtöffnung, einer Tür an der Seite und drei Stockwerken.
Lies 1. Mose 7,19-20: Wie hoch stand das Wasser über den Bergen?
15 Ellen, sodass alle hohen Berge unter dem ganzen Himmel bedeckt waren.
Lies 1. Mose 7,24: Wie lange hatten die Wasser überhand auf der Erde?
150 Tage.
Lies Hosea 2,1: Wie werden die Israeliten dort genannt?
Söhne des lebendigen Gottes — dieselbe Wendung, mit der Steve Okunola die Söhne Gottes in 1. Mose 6 als Menschen der Bundeslinie deutet.
Lies 1. Petrus 4,17: Wo beginnt das Gericht?
Am Haus Gottes — Gott richtet und läutert zuerst seine eigene Gemeinde.
Lies 2. Petrus 2,5: Wie wird Noah dort genannt?
Ein Prediger der Gerechtigkeit, den Gott als Achten bewahrte, als er die Sintflut über die Welt der Gottlosen brachte.
Lies 1. Mose 9,12-16: Was ist das Zeichen des Bundes, und woran erinnert es?
Der Bogen in den Wolken; wenn er erscheint, gedenkt Gott seines ewigen Bundes, dass keine Flut mehr alles Fleisch verderben soll.
Lies 1. Mose 9,25-27: Was wird über Kanaan, Sem und Jafet gesagt?
Kanaan wird verflucht und soll ein Knecht der Knechte seiner Brüder sein; gepriesen wird JHWH, der Gott Sems; Jafet soll weiten Raum bekommen und in den Zelten Sems wohnen.
Lies Apostelgeschichte 8,26-39: Wer kommt dort zum Glauben, und was zeigt das im Blick auf den Fluch über Kanaan?
Der Kämmerer aus Äthiopien glaubt und wird getauft — niemand ist wegen seiner Abstammung automatisch verloren; wer Gottes Wege geht, für den ist der Fluch gebrochen.
Ebene 3 · Vertiefung
Wo pflegst du in deinem Glaubensleben eher die äußere Form — Sprache, Wissen, Dienste, Namen —, während die innere Verbindung zu Gott dünn geworden ist?
Keine feste Lösung — zur Selbstprüfung: Die Linie Kains zeigt, dass Äußerlichkeit dort zunimmt, wo die innere Verbindung fehlt; prüfe, ob dein Studium und Dienst dich Jeschua ähnlicher machen oder nur dein Auftreten frommer.
Noah baute rund hundert Jahre gegen jeden Augenschein. Welche deiner Taten würden einem Außenstehenden zeigen, dass du wirklich glaubst?
Keine feste Lösung — zur Selbstprüfung: Glaube wird sichtbar in dem, was ein Mensch tut, nicht in dem, was er sagt; suche in deinem Alltag nach Entscheidungen, die nur durch Vertrauen auf Gott erklärbar sind.
Wo hat sich in deinem Umfeld oder deiner Gemeinde die Kreuzung der Linien — die Vermischung mit der Welt — eingeschlichen, vielleicht unter dem Vorwand, der Welt die Tür zu öffnen?
Keine feste Lösung — zur Selbstprüfung: Steve Okunola nennt es eine Ausrede, wenn Weltlichkeit als Offenheit getarnt wird; frage, ob eine Praxis Menschen zu Gott führt oder die Gemeinde von Gott wegführt.
Der Altar ist heute da, wo du dich selbst aufopferst. Was müsstest du konkret auf diesen Altar legen?
Keine feste Lösung — zur Selbstprüfung: Benenne ehrlich, was dich von Gott trennt — Gewohnheiten, Ambitionen, Beziehungen, Sinnlichkeit — und ob du bereit bist, es aus tiefster Überzeugung freiwillig aufzugeben.
Welche Fragen stellst du beim Tora-Studium: nur nach historischen Details eines Verses — oder auch danach, wie dich das Gelernte im Wesen dem Schöpfer näherbringt?
Keine feste Lösung — zur Selbstprüfung: Steve Okunola beobachtet, dass die Frage nach dem eigenen Wandel in Konferenzen fast nie gestellt wird; das Ziel des Studiums ist, so zu werden wie Jeschua, nicht Wissen anzuhäufen.
Babel zeigt eine falsche Einheit ohne Gott. Woran erkennst du, ob Einigkeit in deinem Umfeld geistlich ist oder nur äußerlich und organisatorisch?
Keine feste Lösung — zur Selbstprüfung: Geistliche Einheit braucht keine räumliche Nähe und keinen gemeinsamen Turm; wo Einigkeit nur durch Äußerlichkeit zusammengehalten wird, fehlt meist die innere Verbindung zu Gott.
Gott gab mit dem zweiten Monat eine letzte Chance, aber die Zeit war begrenzt. Was schiebst du an Umkehr auf, obwohl du weißt, dass das Zeitfenster nicht ewig offensteht?
Keine feste Lösung — zur Selbstprüfung: Die 120 Jahre zeigen Gottes Langmut und ihre Grenze zugleich; benenne den einen Schritt der Umkehr, den du seit Langem vor dir herschiebst, und einen konkreten Zeitpunkt dafür.